Ursprünge und Entwicklung der Craniosacraltherapie

Die Ursprünge der Craniosacraltherapie liegen in der Osteopathie. Als einer der Hauptbegründer gilt der Osteopath William Garner Sutherland der bereits Anfang des vorigen Jahrhunderts davon überzeugt war, dass die Nähte der Schädelknochen (Suturen) eine Bewegung zulassen. Sutherland gelang es mit seinen Händen einen Rhythmus am Schädel zu spüren, von dem er als „primär respiratorischer Rhythmus“ sprach.
Im Laufe seiner jahrzehntelangen Forschungen erkannte er, dass nicht nur die einzelnen Schädelknochen sondern auch die Membranen (Hirnhäute, Rückenmarkshäute) sowie die Gehirnflüssigkeit (Liquor) eine autonome rhythmische Bewegung haben. Er bezeichnete den Liquor als „flüssiges Licht“ und nannte die Bewegung „Primäratmung“ oder „Breath of Life“.
Therapeuten, die nach den Grundsätzen von Sutherland arbeiten, nennen ihre Therapieform auch „biodynamische“ Craniosacraltherapie.
In den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts gelang es John E. Upledger der Craniosacraltherapie auch in unserem Raum zum Durchbruch zu verhelfen. Besonders sein Buch „Auf den inneren Arzt hören“ verhalfen dieser sehr sanften Therapieform zu einer raschen Verbreitung.

Zu den großen Craniosacral Therapeuten in unserem Jahrhundert zählen neben Upledger Franklyn Sills (orientiert sich am biodynamischen Prinzip Sutherlands) und Hugh Milne.

Der Rhythmus der allem innewohnt

Die Bewegung, die das craniosacrale System ausführt, wird auch craniosacraler Rhythmus genannt. Der Rhythmus ist sowohl am Kopf als auch am ganzen Körper spürbar und ist von seiner Natur am ehesten mit einer Welle und den Gezeiten des Meeres vergleichbar. Es gibt zwei Bewegungsphasen – die Inhalationsphase, die der Flut, also einer nach außen orientierten Bewegung und einer Exhalationsphase, die der Ebbe – einer nach innen gerichteten Bewegung im Körper entspricht. Inhalations- und Exhalationsphase wechseln sich im Körper ab und bilden so den Craniosacralen Rhythmus. Dieser Rhythmus hat eine Frequenz von ca. 6-12 Zyklen pro Minute.
Neben diesem klassischen Craniosacralen Rhythmus sind allerdings noch andere, langsamere Rhythmen im Körper wahrnehmbar. Zu ihnen zählen
  • die Mid-Tide (oder auch Fluide-Tide, Potency Tide genannt)
  • die Long-Tide

Diese beiden langsameren Rhythmen finden vor allem in der biodynamischen Craniosacraltherapie Verwendung.